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Sinusvenenthrombose (SVT)

Leitsymptomatik Fokale neurologische Ausfälle treten vor allem auf, wenn sich die Thrombosierung in die Brückenvenen und oberflächlichen kortikalen Venen ausbreitet. Charakteristische, d. h. ausschließlich für eine SVT typische Symptome, gibt es nicht, nahezu jede erdenkbare zentrale Symptomatik einschließlich Hirnnervenausfällen bei Beteiligung des Sinus cavernosus ist möglich:

  • ein Drittel der Patienten weist einen akuten Krankheitsbeginn auf
  • je ein weiteres Drittel verläuft subakut (< 1 Monat) oder chronisch
  • Kopfschmerzen häufigstes (75-95%) und oft auch erstes (> 70%) Symptom
  • meist andere Symptome einer ICP-Erhöhung: Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen
  • Manifestation mit fokalen o. generalisierten epileptischen Anfällen zu 30-40%
  • Verschlechterung in liegender Position
  • Prädisponierende Faktoren: Bekannte Thrombophilie, Tumorerkrankung, hormonelle Kontrazeptiva, Adipositas
  • relativ häufig frühe Vigilanz- und Bewusstseinsstörung
  • nicht selten Beginn als Psychose vom exogenen Reaktionstyp
  • fokale neurologische (oft neuropsychologische) Ausfälle je nach Lokalisation

Diagnostik (Siehe auch Checkliste Anhang XXX) CTA mit venöser Phase:

  • hohe diagnostische Sicherheit der CT-Venographie bei Schichtdicke von 1 bis 1,5mm in der venösen Phase des Kontrastmittelbolus.

MRT / MRA:

  • axiale und sagittale T1- und T2-Sequenzen zeigen keine Signalauslöschung im thrombosierten Sinus fehlendes flow void in T2
  • evtl. deutliche Signalanhebung durch den Methämoglobin-Gehalt des Thrombus (und damit direkte Darstellung des Thrombus!)
  • direkte Darstellung der Sinus in der MRA, cave: bei hohem Methämoglobin-Gehalt des Thrombus zeigt die TOF-Angiographie in den Quellbildern auch ein hohes Signal im Sinus, das nicht irrtümlich als Flußsignal gedeutet werden darf
  • gelegentlich Auslöschungsphänomene im Konfluensbereich, Sinus sagittalis inferior z.T. nicht ausreichend darstellbar.

Akuttherapie Wirksamkeit der frühen therapeutischen Heparinisierung nachgewiesen.

Heparinperfusor mit Ziel 2–3-fache Verlängerung der Ausgangs-PTT (meist 70-90sec), auch bei nachgewiesenen Hirnvenen- und Sinusthrombosen mit intrazerebralen Stauungsblutungen. Bei Infektparametern an septische SVT denken und ausführliche Infektfokussuche durchführen!

Bei perakuten Verläufen ist nach Diagnosesicherung ein Heparinbolus von 5000 IE i.v. zu Beginn der Therapie gerechtfertigt. Bei fehlendem Erreichen des PTT-Zielbereiches innerhalb von 24 h ggf. Umstellung auf niedermolekulares Heparin in therapeutischer (gewichtsadaptierter Dosis).

Langzeitbehandlung Daten zur Langzeitbehandlung liegen nicht vor, eine orale Antikoagulation für die Dauer von sechs Monaten unmittelbar im Anschluss an die Heparinbehandlung wird empfohlen. Der Zeitpunkt des Beginns der Antikoagulation hängt vom klinischen Zustandsbild des Patienten ab und liegt bei etwa 10 bis 14 Tagen nach Beginn der Heparinbehandlung. Eine dauerhafte Marcumarisierung ist nur zu empfehlen nach SVT-Rezidiv sowie bei Erkrankungen mit hohem Thromboserisiko wie beispielsweise bei der Faktor-V-Leiden- Mutation oder einer prothrombotischen Grundkrankheit. Eine off-label Antikoagulation mit Dabigatran kann erwogen werden (Ferro et al. 2019).